Hugo Rokyta

1912–1999

Hugo Rokyta wurde am 24. November 1912 als Sohn des in Brünn tätigen Innenarchitekten Josef Rokyta während eines Aufenthaltes seiner Eltern in Kamiensk geboren. Die Stadt liegt heute im südlichen Mittel-Polen, westlich von Czenstochau. Rokyta entstammte einer seit 700 Jahren in Mähren (Fulnek) und Schlesien (Troppau) ansässigen landständischen Familie. Das eigentliche Elternhaus stand in Langendorf (Dlouhá Loučka) bei Olmütz in Mähren. Die Kindheit und Jugend verbrachte Hugo Rokyta, zweisprachig erzogen, in der mährischen Landeshauptstadt Brünn, die er als seine eigentliche Heimatstadt ansah. Besuch des Gymnasiums in Brünn, wo er als Oktavaner vom Direktor des dortigen Mährischen Museums, Jaroslav Freiherr von Helfert, für kulturhistorische Belange, insbesondere die Denkmalpflege, begeistert wurde.

Als einer der Letzten verkörperte Hugo Rokyta das alte zweisprachige Prag: Als Übersetzer, Schriftsteller, Denkmalpfleger und Kulturwissenschaftler überspannte er die Weiten des literarischen Kosmos, als „Stiftermensch“, katholischer Christ und glühender Patriot war er gleichermaßen in Österreich, Deutschland und in Tschechischen Landen zuhause. Rokyta sah sich als letzter Zeuge des „Prager Kreises“ und lebte als Bildungsbürger im besten Sinne: volkstümlich und leutselig. Man hat ihn mit Ehrungen überhäuft: die Goethe-Medaille der Weimarer Goethe-Gesellschaft erhielt er zusammen mit Sir Karl Popper, in Stifters Heimatgemeinde Oberplan genoß er das Ehrenbürgerrecht. Zu den vielen Auszeichnungen für seine Schriften gehörten auch das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, der Comenius-Orden der Tschechischen Republik und das Großkreuz des Souveränen Malteserritter-Ordens. Als Rokyta 1999 in Mährisch Budwitz starb, wußte er sein Hauptwerk vollendet: das dreibändige Handbuch der Böhmischen Länder, mit dem Untertitel: Handbuch der Denkmäler und Gedenkstätten europäischer Kulturbeziehungen in den Böhmischen Ländern. Als „der Rokyta“ ist es längst zu einem Standardwerk geworden.

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