Klabund

1890–1928

Klabund heißt man nicht, Klabund ist man. Man heißt etwa Alfred Georg Hermann Henschke, aber das ist nebensächlich. Als Klabund kann man vieles: Man kennt sich aus in den Gassen von Crossen an der Oder, wo man geboren ist, man weiß wie sich ein Klabautermann und ein Vagabund paaren können, man kann die Dosen in der väterlichen Apotheke auseinanderhalten, weiß daß man bei Tuberkulose nach Davos fahren soll, ist allgemein beschlagen und studiert in Fragen der Chemie, Pharmazie, Theaterwissenschaften, Philosophie und -logie, verzweifelt nicht vor fernöstlichen Weisheitsbüchern, weiß wie man von der Schweiz aus Kaiser Wilhelm II. zur Abdankung auffordert und hat Erfahrung im Umgang mit großen Männern, wie etwa Emil Orlik oder Gottfried Benn, Hermann Hesse und Ernst Bloch. Auch Romane kann ein Klabund schreiben, sogar 25 Stück, und dazwischen Dramen, was alles zusammen immerhin eine achtbändige Gesamtausgabe füllen kann. So einer ist der Klabund, und so einer auch: Seine Deutsche Literaturgeschichte in einer Stunde und die etwas dickere Klabund Literaturgeschichte ersetzen Tonnen bedruckten Papiers. Und das auch noch: Bestimmt werden seine Heiligenlegenden auch in Rom gelesen, in der Bibliothek Petri – aber die Herren hüllen darüber natürlich den Mantel des Schweigens.

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