Miguel de Cervantes

1547–1616

Cervantes schrieb Romane, Novellen, Dramen und Zwischenspiele, von denen das Wundertheater die hübschesten Einfälle zeigte. Auf der Bühne vermochte er nicht recht Fuß zu fassen, dafür gelang ihm mit seinem Don Quichote der große Wurf: es wurde zu einem der wichtigsten Bücher der gesamten Weltliteratur, das nachhaltigen Einfluß auf alle Literaturen Europas ausübte. Der Spanier Ganivet schrieb: „In der spanischen Kunst übertrifft nichts den Quijote, und der Quijote ist nicht nur auf spanische Art geschaffen worden, sondern ist unser typisches Werk, das Werk als solches, da Cervantes ein Konquistador war, der größte aller Konquistadoren. Denn während andere Konquistadoren für Spanien Länder eroberten, eroberte er Spanien selbst, obwohl er in einem Gefängnis eingeschlossen saß.“ Und Klabund weiter: „Seine Gestalten treibt er an wie ein Maultiertreiber seine Tiere. Don Quijote, der Ritter von der traurigen Gestalt, ist das Symbol Spaniens geworden wie Faust das Deutschlands und die Brüder Karamasow das Rußlands. Er ist edel und tölpisch, grotesk und heroisch, kindisch verliebt, phantastisch gläubig. Er liebt sein Leben nicht in dieser Welt, glaubt auf Wolken zu reiten, während er im Sumpf steckt, eine zarte Heilige zu lieben in der dicken Magd Adonza Lorenzo, die sich aufs Schweinepökeln besser versteht als auf seine Hymnen. Er kämpft, wie wir alle, verzweifelt mit Windmühlen und Hammelherden. Er trägt eine Zukunft mit sich herum, die schon längst Vergangenheit wurde. Wo ist noch Ritterlichkeit, Edelmut, Galanterie zu finden? Dahin, dahin ... Das Leben zerrinnt uns in den Händen wie eine Handvoll Wüstenstaub. Wie gescheit benimmt sich da Sancho Panso, nicht wahr, der die winzigste Realität der erstaunlichsten Ideenwelt vorzieht und aus allen Bitternissen noch Honig saugt.“ Nun gut, auch das noch – mit der spanischen Marine kämpfte er wohl bei Lepanto gegen die Türken, soll dabei auch drei Schußwunden erlitten haben. Dann wurde er von Korsaren angegriffen, nach Algier verschleppt. Und freigekauft, anno 1580, nach fünf Jahren Kerker. Zuhause wieder verfaßte er den Don Quijote, dessen erster Teil 1605 erschien, der zweite 1615. Das brachte Geld. Lange dauerte der Reichtum aber nicht, und am 22. April 1616 soll er gestorben sein, zehn Tage vor Shakespeare. Wer ihn besuchen will, der kann seine Grabstätte im Kloster der Unbeschuhten Trinitarierinnen finden, wo man sein Grab mittlerweile identifizieren konnte. Ludwig Tieck hat seine große Dichtung übrigens ins Deutsche übersetzt – darin finden sich tausend schöne, geistreiche Worte, auch das folgende: „Das beste Gewürz von der Welt ist der Hunger; und da dieser den Armen nicht fehlt, so macht diesen das Essen immer Vergnügen.“