Wilhelm Raabe

1831–1910

Wilhelm Raabe wird 1831 zu Schershausen im Braunschweigischen, in den Weserbergen geboren. Die Schule besuchte er in Stadtoldendorf, dann in Amelungsborn, schon zu Hause seine freie Zeit meist mit Lesen verbringend. Mit neunzehn Jahren wird er Buchhändler in Magdeburg; vier Jahre bleibt er in diesem Beruf, wiederum vor allem lesend, aufnehmend, bis er 1854 als Student der Philosophie und Geschichte nach Berlin geht. Das Haus in der Spreestraße, das er bewohnte, steht noch heute: er hat es unsterblich gemacht durch die Chronik der Sperlinggasse, sein erstes Buch, das er 1857 unter dem echt Raabeschen Pseudonym Jacob Corvinus herausbrachte. Hebbel begrüßte den Roman als Ouvertüre, dem nur die Oper fehle; das Buch begründete Raabes Ruhm. Die nächsten Jahre verbrachte er bei seiner verwitweten Mutter in Wolfenbüttel; dann ließ er sich, schon verheiratet, in Stuttgart nieder, wo der Hungerpastor, Abu Telfan, der Schüdderump entstanden. 1870 kehrte er nach Braunschweig zurück und blieb da bis zu seinem Tode 1910, still und zurückgezogen, abseits von allem Literaturbetrieb. „Wilhelm Raabes ernster Humor,“ so kommentierte Klabund, „seine bedächtige Menschenfreundlichkeit, seine bittersüße Melancholie, wird deutschen Herzen als eine deutsche Angelegenheit immer lieb und vertraut sein. Für Wilhelm Raabe gibt es kein besseres Epitheton als dies ohne jeden Nationalismus gesagte: deutsch.“