Kulturgeschichte Österreichs
Eine Expedition ins Innerste des Kontinents
Eine digitale Galerie

Spass und Ernst Jandl

Vielleicht war es ja auch einfach die helle Freude eines Mannes, der bis ins Alter nicht erwachsen werden wollte mit der Sprache, der sie ständig frisch kennenlernen und ihr mit unermüdlicher Lust an der Manipulation immer neue Klänge und Bedeutungen abgewinnen konnte, die Ernst Jandl (1925–2000) antrieb. Mit seinen schillernden Dichtungen, Sprach- und Hörspielen jedenfalls zählte der mit Friederike Mayröcker liierte Wiener Dichter zu den herausragendsten österreichischen Künstlern der Nachkriegszeit. Die Germanistik befand, Ernst Jandl verfasse „experimentelle“ und „konkrete“ Poesie, gehöre zur „Wiener Gruppe“ wie zur „Stuttgarter Schule“. Der bis 1979 noch unterrichtende Gymnasiallehrer stand wohl in Verbindung zu diesen Kreisen, beschied jedoch den Philologen mit anarchischem Schmäh: „I love concrete / I love pottery / but I’m not a concrete pot.“ So leicht ließ er sich nicht fassen, zu beweglich, zu doppelbödig war seine Kunst, in der Spaß und Ernst sich unversehens austauschen konnten: Berühmt geworden etwa ist „Ottos Mops“ (1988), eine vergnügliche Alberei, die nur mit dem Vokal „O“ auskommt und gerne als Kindergedicht gelesen wird. Nicht minder bekannt aber ist die düstere Wendung des frohen Spiels in „Schtzngrmm“ (1966): die vokalfreie und bedrückend einfache Klangkulisse des Krieges, den der Pazifist Jandl als Frontsoldat erlebt hatte.

ottos mops trotzt
otto: fort mops fort
ottos mops hopst fort
otto: soso 

otto holt koks
otto holt obst
otto horcht
otto: mops mops
otto hofft 

ottos mops klopft
otto: komm mops komm
ottos mops kommt
ottos mops kotzt
otto: ogottogott 

Ernst Jandl, Ottos Mops (1988)