Kulturgeschichte Österreichs
Eine Expedition ins Innerste des Kontinents
Eine digitale Galerie

Georg Trakl – Rausch der Bilder

Die Heimat Georg Trakls (1887–1914) war Salzburg. Hier begann er intensiv mit Experimenten der Dichtkunst und des Rauschgiftkonsums – die beiden Leidenschaften, die den Verlauf seines ruhelosen und viel zu früh erloschenen Lebens bestimmten. Wien sollte nur eine kurze Station für den schwermütigen Sonderling sein. Im Herbst 1908 übersiedelte Trakl in die Hauptstadt, ausgerechnet für ein Pharmaziestudium. Er blieb, mit Unterbrechungen, bis 1911. Stark beeinflusst von den Rauschbildern des Wiener Expressionismus entwickelte er in dieser kurzen Zeit seinen spezifischen, elegischen Ton. In vielfachen Überarbeitungschritten suchte Trakl nach eigenem Bekenntnis in seinen Texten ein „Chaos von Rhythmen und Bildern“ und Farben zu einem „einzigen Eindruck“ zu verdichten. Ab 1912 erschienen einzelne Arbeiten im Brenner, dem Magazin seines Entdeckers und Förderers Ludwig von Ficker, 1913 folgte ein erster Sammelband Gedichte. Trotz des einsetzenden literarischen Erfolges geriet Trakl aber bald in einen Taumel schwerer Lebenskrisen, ausgelöst durch manische Zustände und eine unmögliche Liebe zur eigenen Schwester. 1914 erlitt er als Sanitäter in der Schlacht bei Grodek ein schweres Trauma, nur das Einschreiten von Kameraden vereitelte einen Selbsttötungsversuch des Dichters. Bereits kurz darauf jedoch starb Trakl mit 27 Jahren in einem Krakauer Sanatorium an einer Überdosis Kokain. Sein erfolgreichster Gedichtband Sebastian im Traum (1915) erschien postum.

Verflossen ist das Gold der Tage,
Des Abends braun und blaue Farben:
Des Hirten sanfte Flöten starben
Des Abends blau und braune Farben
Verflossen ist das Gold der Tage. 

Georg Trakl, Rondel (um 1912). 

Bläuliche Schatten. O ihr dunkeln Augen,
Die lang mich anschaun im Vorübergleiten.
Guitarrenklänge sanft den Herbst begleiten
Im Garten, aufgelöst in braunen Laugen.
Des Todes ernste Düsternis bereiten
Nymphische Hände, an roten Brüsten saugen
Verfallne Lippen und in schwarzen Laugen
Des Sonnenjünglings feuchte Locken gleiten. 

Georg Trakl, Melancholie (1913)