Zur Geschichte der Medizin
Aus dem Weltreich der Heilkunst und Pharmazie
Eine digitale Galerie

Anton Ghon - Der Pestexeperte aus Kärnten

1. Januar 1866 - 23. April 1936

Am 24. April 1936 wurde seine irdische Hülle im pathologischen Institut der Prager Deutschen Universität eingesegnet, dann trat er seine letzte Reise ins kärntische Villach an, wo er in der Gruft seiner Familie beigesetzt wurde. In Villach war er am 1. Jänner 1866 zur Welt gekommen, in Graz hatte er Medizin studiert, am Wiener pathologisch-anatomischen Institut begann seine Berufslaufbahn. Mit 31 Jahren nahm er an einer wissenschaftlichen Reise teil, die ihn über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt machte: In Bombay war die Pest ausgebrochen und Ghon war im Auftrag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften berufen, die dortigen Verhältnisse zu erforschen.

Zurück in Wien, habilitierte sich der junge Pathologe, schließlich übernahm er für ein Vierteljahrhundert das Pathologisch-anatomische Institut der Deutschen Universität in Prag. Er forschte über die Tbc, bildete Assistenten aus, wurde Rektor. Als Entdecker des Ghon-Sachsschen Bazillus’ klingt sein Name Bakteriologen im Ohr.
 
Noch einmal berichteten die Gazetten von einer seiner Dienstreisen. Diesmal ging’s nicht in die große weite Welt, sondern nur an die Schweizer Landesgrenze, wohin ihn die Wiener Gesundheitsbehörden im Oktober 1918 entsandt hatten. Die Gerüchte von einem Pestausbruch in der Schweiz konnte Ghon schließlich zerstreuen. Die vielen Toten, die so plötzlich schweren Lungenentzündungen erlagen, waren Opfer der grassierenden Grippe-Pandemie, die freilich den Blutzoll der Pest noch übersteigen sollte.