Zur Geschichte der Medizin
Aus dem Weltreich der Heilkunst und Pharmazie
Eine digitale Galerie

Iwan Petrowitch Pawlow

26. 9. 1849 - 27. 2. 1936

Mit dem Pawlowschen Reflex ist der Russe heute Allgemeingut der Mittelschulgebildeten: Ein Hund sezerniert Speichel, wenn er das Fressen nur sieht – nicht verblüffend. Verblüffend: er speichelt auch, wenn’s klingelt, zumindest wenn er durch einen Klingelton konditioniert wurde. Man blättere im gymnasialen Biologiebuch nach. Verhalten jedenfalls, das die Quintessenz seiner Arbeiten, beruht nicht nur auf natürlichen Reflexen, sondern auch auf solchen, die durch Lernen erworben sind. Damit war der Grundstein gelegt für die behavioristische Lerntheorie, die tiefe Gräben ziehen sollte in die marxistische Psychologie.

Als Pawlow am 26. September 1849 im zentralrussischen Rjasan geboren wurde, saß auf dem russischen Zarenthron Nikolaus I., 1904, als er seinen Nobelpreis „in Anerkennung seiner Arbeit über die Physiologie der Verdauung“ hinnahm, regierte, noch ohne Duma, Nikolaus II., vor Pawlows Lebensende hatte Josef Wissarionowitsch Stalin die unumschränkte Macht im Land an sich gerissen. Der sowjetische Staat förderte den prominenten Physiologen nach Kräften, war doch dem sowjetisierten Rußland mit Pawlow der Aufstieg zu einer Führungsmacht in der physiologischen Forschung gelungen. Den Versuch, seine Erkenntnisse zur wissenschaftlichen Grundlage der marxistischen Weltsicht zu schmieden, hat Pawlow nicht mehr erlebt, und auch nicht die breite Bresche, die unter dem Schlagwort Behaviorismus in die westliche Verhaltensforschung geschlagen wurde.

Denkt daran, daß die Wissenschaft vom Menschen das ganze Leben verlangt, und hättet ihr zwei Leben, sie würden nicht ausreichen. Seid leidenschaftlich in eurer Arbeit und in euren Forschungen. Lernt, sammelt Tatsachen, häuft Tatsachen an. Die Tatsachen sind die Luft des Gelehrten; ohne sie kein Aufstieg, ohne sie bleiben eure Theorien leere Bemühungen.

Iwan Petrowitch Pawlow