Wenzel Abert

1842–1915

Der am 22. Juli 1842 geborene Wenzel Abert entstammte einer weitverzweigten Gastorfer Musikerfamilie: „Die musikalische Atmosphäre im Elternhaus wurde sowohl von der Mutter Anna Maria Kratky geprägt, deren Vater Kontrabaß spielte, und die ihre Kinder während der Hausarbeit mit dem Volksliederschatz vertraut machte, wie auch vom Vater Wenzel Abert, der von Beruf Maurermeister war, sich aber auch als Klarinettist und Geiger betätigte.“ Seinen ersten Musikunterricht erhielt Wenzel Abert vom Grundschullehrer in Geige und Gesang. Vorerst trat er als Chorknabe in Erscheinung, als Zehnjähriger fand er Aufnahme bei der Ortskapelle. Zum geplanten Studium am Prager Konservatorium kam es allerdings nicht – was seinem um zehn Jahre älteren Bruder Johann Joseph noch möglich war –, da Fehlspekulationen zu großen finanziellen Verlusten führten und einen erheblichen Teil des väterlichen Vermögens verschlangen. So begann Wenzel Abert 1856 eine Lehre. Zunächst versuchte er sich als Seifensieder, kurze Zeit später jedoch begann er eine Ausbildung zum Schlosser in Melnik. Den Lehrherren wechselte er wegen seiner Abscheu gegen die unappetitliche Arbeit. Er schildert: „Gegen Abend, als wir uns zum Heimweg rüsteten, wurden mir vom Metzger noch einige Ballen rohes Unschlitt auf den Karren geladen, so daß ich unter dieser schweren Last beinahe zusammengebrochen bin. Als ich spät abends nach Hause kam, äußerte ich mich in meiner Verstimmung schon dahin, daß ich wohl kaum auslernen werde. Einige Tage später mußte ich diese Unschlittballen auseinandernehmen, um mit einem großen Hackmesser das Ganze zu zerschneiden. Als ich all dieses ekelhafte Gewürm darin sah, welches ich mit den Fingern anfassen mußte, da erfaßte mich eine solche Abscheu vor meinem Beruf, daß ich alles steh’n und liegen ließ, zu meinem Meister kurz Adieu sagte. Zu Hause angekommen, erklärte ich kurzweg, kein Seifensieder werden zu wollen.“

Seine Wanderjahre als Schlossergeselle folgten von 1859 bis 1863 (Wien, Ternitz, Salzburg, Stuttgart, Vaihingen/Enz, Karlsruhe), wobei es immer Gelegenheit zum Musizieren gab. In Salzburg kam er das erste Mal mit dem Werk Palestrinas in Berührung, was einen maßgeblichen Eindruck bei ihm hinterließ. Im Anschluß an die Wanderjahre leistete er seinen Militärdienst und nahm am deutsch-österreichischen Krieg von 1866 teil, in dessen Verlauf er an der rechten Hand verwundet wurde. Ab 1871 war Abert für ein Jahr erster Bratschist der Hofkapelle in Stuttgart (Hofmusikus), wo er ab 1. Dezember 1872 unbefristet festangestellt wurde. So findet sich dann auch ab 1873 bis 1889 im Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg der Eintrag: Violisten. Abert, Wenzel [...]

Am 30. Juni 1881 heiratete er Margarete Rosalie Paul, Tochter des Hofschauspielers Hermann Paul (Pauli) und seiner Frau Rosalie Wilhelmine Graff, am 24. Februar 1897 erfolgte die Verleihung des Titels Kammermusiker.

Knapp vier Monate nach seinem Bruder Johann Joseph verstarb Wenzel am 23. Juli 1915 in Stuttgart, einen Tag nach Vollendung seines 73. Lebensjahres.

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