Franz Kafkas Welt
Dichter, Maler, Künstler aus dem alten Prag
Eine digitale Galerie

Paul Leppin – Der König der Prager Bohème

Tagsüber ging er seiner Arbeit in der Prager Post- und Telegrafendirektion nach, nachts wandelte er sich in einen wahren Bürgerschreck, der mit heiserer Stimme seine lasziven Bänkellieder sang und im Minirock auf der Bühne tanzte: Paul Leppin (1878–1945) galt als Erotiker, Tabubrecher und ungekrönter König der Prager Bohème um 1900. Als Mitarbeiter bei Literaturzeitschriften und Schriftstellerverbänden pflegte Leppin Kontakt auch zu tschechischen Künstlern.

 

Zu seinem wohl erfolgreichsten Buch geriet ihm der Prager Gespensterroman Severins Gang in die Finsternis (1914). In seinem späten Erzähl- und Gedichtband Prager Rhapsodie (1938) ist seine Heimatstadt Strich um Strich, Gestalt um Gestalt eingefangen. Leppin plaudert nachdenklich über alte Fotografien seiner Verwandten, führt in Weinstuben, träumt von silbernen Dachrinnen, erzählt Uhrmachergeschichten, philosophiert über das Altwerden, erinnert sich einer Hinterhaustragödie, berichtet von der Zusammenkunft ehemaliger Klassenkameraden. Es ist eines der schönsten Bücher, die zum Abschied vom alten Prag geschrieben wurden.