Kulturgeschichte Österreichs
Eine Expedition ins Innerste des Kontinents
Eine digitale Galerie

Elisabeth – Das Schriftbild einer Kaiserin

Trotz der vielen Meter Film und ungezählter Bögen Papier, die ihm bereits gewidmet wurden: Das Leben der Kaiserin Elisabeth (1837–1898) scheint bis heute nicht erschöpfend erzählt. Wie eine klassische Tragödie enthält es einen Stoff, der Autoren wie Leser immer wieder aufs Neue fasziniert: Auf der einen Seite der Kaiser, auf dessen Schultern die ganze Last von 800 Jahren Habsburg ruht – eine Bürde, die jeden seiner Schritte beschwert. Auf der anderen die junge, berückend schöne „Sisi“ – unbedarft und mit einem Gemüt, so zart und unstet wie Blütenstaub. Am Hof zu Wien hält sie es nicht aus. Auf dem Rücken von Pusztapferden, auf dem Deck ihrer Hochseeyacht Miramare, in der Anonymität großer Hotels, oder aber in der Einsamkeit und Allerseelenstille des Achilleions auf Korfu versucht Elisabeth, den eigenen Sorgen ebenso zu entkommen wie den Verpflichtungen, die das bröckelnde Reich an sie stellt.

Das Bild der schönen, tragisch vergehenden Kaiserin wurde oft und nicht nur in der österreichischen Kunst zum Thema gemacht. Und auch Elisabeth selbst hat ihr Leben als literarisches Sujet erkannt und ausgeformt: In ihrem Tagebuch ebenso wie in zahlreichen Gedichten, in denen die flüchtige Regentin ihrem großen Vorbild Heinrich Heine nacheiferte. Heute bieten die Texte eine oft rührende, mitunter auch erheiternde Lektüre – und man vergisst nur zu leicht, dass der literarische Nachlass eine scharfe politische Spitze gegen das Reich ihres Mannes barg. Ausdrücklich verfügte Elisabeth über die postume Veröffentlichung ihrer Werke zugunsten der Opfer monacharischer Unterdrückung.


Verlassen

In meiner grossen Einsamkeit
Mach’ ich die kleinen Lieder;
Das Herz, voll Gram und Traurigkeit,
Drückt mir den Geist darnieder.
Wie war ich einst so jung und reich
An Lebenslust und Hoffen;
Ich wähnte nichts an Kraft mir gleich,
Die Welt stand mir noch offen.
Ich hab geliebt, ich hab gelebt,
Ich hab die Welt durchzogen:
Doch nie erreicht, was ich erstrebt. –
Ich hab und ward betrogen.

Elisabeth von Österreich (1886)